Nadine Kegele · Artikel im Haustiere-Special in

 

an.schläge. Das feministische Magazin # Dezember 2012

Ein Mensch ist keine Bettwanze

 

Manche nennen mich Katzenlady, ich bin es gewohnt, auf die Simpsons-Figur abonniert zu sein. Dabei ist 9 gar nicht so viel. Vor allem minus 5, und wenn man es nach 1 Unfall - der mit 1 ersatzbefriedigendem Animal Hording in 1 Lebenskrise zusammengefasst werden kann - ja längst gewohnt ist. Andere reisen durch die Welt, trinken ayurvedische Kräutertees, trainieren auf den Halbmarathon, ich: Katzen. Manche denken, ich wäre verzweifelt oder unfruchtbar. (Ein Mann wäre wohl pervers.) Manche, die meine Katzen kennenlernen, haben auch sofort eine Meinung zu meinen Katzen, dabei habe ich Monate gebraucht, um eine Meinung zu meinen Katzen zu haben. Herr Alinger fetzt umher und manche meinen: "Ein typisches Männchen!" Ganz sicher rennt Oskar Oskarowitsch in formvollendeter Panik vor ihm davon, manche meinen: "Kein typisches Männchen." Traut sich Henry aus seinem Versteck, meinen manche, der sei aber ein herrschaftlicher Kater. Und wälzt sich (die) Juri auf dem Boden und nimmt Augenkontakt auf, meinen manche: "Eine Verführerin halt." Dabei nuckelt Ali an Henrys Zitzen, wenn er Liebe braucht, Oskar ohrfeigt Ali, wenn er gut drauf ist, und Juri wäre die richtige Frau für den Weltraum, würde ich sie fahren lassen. Und während manche ihre Meinung zu meinen Katzen haben, denke ich an Bettwanzen. Bei denen das Männchen das Weibchen von hinten überfällt, ihr mit einem messerartigen Haken den Bauch aufsticht und sein Sperma hinein spritzt. Dann frage ich mich, ob manche meinen, mittels ihrer Übertragungstheorie wäre Vergewaltigung auch ganz natürlich.

Nadine Kegeles Katzen waren ein Unfall, aber nun liebt sie sie wie ihre eigenen Kinder, zumindest geht sie davon aus, dass sie ihre eigenen Kinder lieben würde.